28.12.2020

Führung in der Kompostieranlage Knielingen

Am 2. Dezember 2020 haben Carmen, Juliane und Franka eine Führung von Michael Thom in der Kompostierungsanlage Knielingen bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle für seine Zeit und Mühe! Wir haben eine Menge interessante und hilfreiche Infos über die Verwertung der biologisch abbaubaren Abfälle in Karlsruhe erhalten. Die spannendsten Ergebnisse haben wir hier für euch zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen!

Bevor ich anfange aber noch eine wichtige Unterscheidung: da die Biotonne mit den Küchenabfällen sehr viel geruchsintensiver ist und deshalb unter strengeren Auflagen und mehr finanziellem Aufwand abgebaut werden muss, wird sie getrennt von Grünabfällen kompostiert. Die Kompostierungsanlage in Knielingen ist für Grüngut — trotzdem konnte Herr Thom uns auch einige Infos über die Küchenabfälle geben.

In Karlsruhe gibt es nur eine generelle Müllgebühr, mit der auch die verpflichtende Biotonne abgedeckt wird (von der sich Bürger*innen, die selber kompostieren aber befreien lassen können). Die Karlsruher Biotonne wird tatsächlich nicht mehr in Karlsruhe selbst kompostiert, sondern in unterschiedlichen Trockenvergärungsanlagen in der Umgebung, u.a. in Westheim in der Pfalz und in Flörsheim-Wicker nahe Frankfurt, verarbeitet und anschließend in der Landwirtschaft verwendet. Die Anlagen müssen die Landwirtschaftsbetriebe dafür bezahlen, dass diese den Kompost abnehmen! Während eines der wichtigsten Ziele des Kompost-Bikes ist, wertvollen Kompost herzustellen, wird Kompost in der Landwirtschaft als etwas gesehen, das man „loswerden“ muss. Außerdem ist der Karlsruher Bioabfall besonders verschmutzt, da es in der seit einigen Jahren geschlossenen Karlsruher Nassvergärungsanlage einfach war, Fremdstoffe wie Plastik herauszufiltern und deswegen die Richtlinien nicht so streng waren, während die neueren Trockenvergärungsanlagen damit deutlich größere Probleme haben.

Der Abladeplatz der Kompostierungsanlage Knielingen. Hier wird frisches Grüngut angeliefert, im Hintergrund ist der Dampf zu sehen, der durch die hohen Temperaturen entsteht.

Zuallererst muss das grobe Grüngut gehächslet werden.

Aber jetzt weiter zu unserer Führung: In Karlsruhe gibt es zwei Kompostierungsanlagen für Grüngut, eine kleinere, erst im Jahr 2000 erbaute in Grötzingen und eine 15 Jahre ältere, ungefähr doppelt so große in Knielingen, wo wir waren. Insgesamt werden dort jährlich 25.000t Grüngut von privaten und gewerblichen Stellen angeliefert und direkt bei Ankunft gehäckselt. Das sind ca. 3790 Afrikanische Elefanten oder 625 voll beladene Lkws! Auf der Kompostierungsanlage rottet das alles für ungefähr 4 Monate und wird dabei im Schnitt dreimal umgesetzt, sodass das äußere Material nach innen kommt. Das bringt meistens einen intensiven Geruch mit sich, weshalb es nur bei günstigen Windverhältnissen stattfinden kann. Dazwischen müssen die Kompostberge, sogenannte Mieten, immer wieder bewässert werden, da der Kompost sonst nicht vollständig reift. Wenn der Kompost nach 4 Monate vollständig hygienisiert ist (d.h. Keime und Pflanzensamen sind durch die hohe Temperatur von mind. 55°C abgestorben), werden die Kompostmieten abgesiebt, um Verunreinigungen, z.B. durch Plastik, und noch nicht vollständig verrottetes Material, vom fertigen Kompost zu trennen. Alles was noch größer als 15mm ist (normalerweise holziges Material, das länger braucht um zu verrotten) wird wieder zu den neuen Anlieferungen gekippt, um zu reifen. Ein kleiner Teil des fertigen Komposts wird kostenlos den Karlsruher Bürger*innen zur Verfügung gestellt, ein Teil geht an die Kleingartenvereine (jeweils ca. 10%), der Großteil wird aber an Erdenwerke geliefert, die dem Kompost andere Stoffe wie z.B. Rindenfasern beimischen und daraus Blumenerde herstellen, die wir dann im nächsten Baumarkt kaufen können. Dafür bekommt die Knielinger Anlage ein paar Euro pro Kubikmeter Erde, anders als die meisten Kompostierungsanlagen, die ihren Kompost an die Landwirtschaft liefern müssen.

Nach dem Absieben wird der fertige Kompost an den Rampen verladen.

Der grobe Siebüberlauf wird zurück an eine Kompostmiete geschoben um dort weiter zu rotten.

Die schwierige Vermarktung des fertigen Komposts und die damit zusammenhängenden hohen Kosten (ca. 30 bis 40 € Arbeitsaufwand pro Tonne) ist aber nicht das einzige Problem. Auch Geruchsbeschwerden sind ein konstantes Hindernis und die Anlagen benötigen viel Platz, was eine mögliche Standortsuche nicht gerade einfacher macht. Und obwohl der fertige Kompost optisch ziemlich sauber ist, enthält er doch viel Mikroplastik, das kleiner als 15 mm ist und deshalb durch das Sieb fällt. Zwar ist der Plastikanteil bei Grüngut geringer als in der Biotonne, dennoch wird gerade in den unbewachten Grüncontainern häufig auch eine Menge Plastik entsorgt. Karlsruhe ist in der Hinsicht einfach ein bisschen „zu praktisch“ mit zwei Kompostierungsanlagen und 20 Abgabestellen in der Innenstadt. Würden die unbewachten Grüncontainer reduziert werden, könnte das nicht nur den Plastikanteil verkleinern, sondern auch Menschen motivieren selber zu kompostieren.

Obwohl der Knielinger Kompost mit einem Gütesiegel ausgezeichnet ist und Mitarbeitende per Zange Fremdstoffe raussammeln, findet sich doch immer wieder Plastik im Kompost.

Auch wir wollen mit dem Kompost-Bike Menschen dazu motivieren, eigenhändig zu kompostieren. Wir möchten ihnen den Wert ihres „Abfalls“ bewusst machen. Zu unserem Projekt hatte Herr Thom auch ein paar Anregungen und Ideen. Vor allem hat er uns auf Herausforderungen aufmerksam gemacht, denen wir begegnen könnten. Die eine ist die rechtliche Frage, inwiefern wir uns überhaupt an die Gastronomie wenden dürfen, die ihren Bioabfall normalerweise über professionelle Entsorger*innen wie Refood in den Müll gibt. Zum anderen hat er das Problem der Hygienisierung angesprochen. Um unseren Kompost hygienisch zu verwerten, brauchen wir relativ große Mengen um eine ausreichende Temperatur zu erzielen. Diese Punkte werden wir in unserer weiteren Planung berücksichtigen und danken Herr Thom noch einmal herzlich für seine Geduld bei unseren vielen Fragen und die interessante Führung!